Rekordzugriffszahlen 2025 der Obstsortendatenbank des BUND Lemgo

05. Januar 2026 | Lemgo, Lippe, Streuobstwiesen

Die über 20 Jahre angereicherte Obstsortendatenbank der Lemgoer Ortsgruppe ist inzwischen europaweit verlinkt. Mit mehr als 202.000 unterschiedlichen Besuchern hat sie 2025 ein neues Rekordergebnis erzielt.

Über zehn Jahre lang wurden Ausgaben der österreichischen Zeitschrift "Nach der Arbeit" aufgekauft, um ein vollständiges Exemplar zu erhalten. Am Ende waren es sogar zwei - eins veräußerte der BUND Lemgo an die Deutsche Gartenbaubibliothek Berlin.

Die über Jahrzehnte von der Lemgoer Ortsgruppe für Umwelt und Naturschutz Deutschland aufgebaute Obstsortendatenbank gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Sie ist in ihrer Art einmalig und inzwischen europaweit verlinkt. Mit der Zahl von mehr als 202.000 unterschiedlichen Besuchern wurde 2025 ein neues Rekordergebnis erzielt. Motivation zur Anlage war die Schwierigkeit, auch die in der Lemgoer Streuobstwiese vorhandenen unbekannten Obstsorten zu bestimmen. Die Zahl der Experten war nach dem zweiten Weltkrieg sehr gering, der Deutsche Pomologenverein bereits 1919 aufgelöst worden und ein neuer Pomologenverein erst 1991 wieder gegründet worden. Die alte Fachliteratur mit den Farbabbildungen und Beschreibungen gab es nur noch in geringer Zahl. Dazu kam, dass es Anfang der 1970er Jahre staatliche Prämien für die Obstbaumrodung gab, wo insbesondere Streuobstwiesen mit ihren vielen unterschiedlichen Obstsorten verschwanden. Es gab leider keine begleitenden Maßnahmen zum Erhalt alter Sorten.
 

Für den Aufbau der Datenbank wurden in diversen Antiquariaten und Verkaufsplattformen wie ebay privat Sortenwerke erworben und zum Teil über die Fernleihe beschafft. Farbtafeln und Beschreibungen aus über 40 Datenquellen wurden gescannt und dann auf einer eigenen Datenbank ins Internet gestellt, wo jedermann sie für private Zwecke kostenfrei nutzen konnte bzw. kann. Über 3.500 Obstsorten sind dort inzwischen aufgeführt. Zu den Besonderheiten gehört das Werk Pomona Franconica von Johann Prokop Mayer aus dem 18. Jahrhundert, das in drei Bänden erschienen ist und in dem europäische Obstsorten erfasst wurden. Wegen der hohen Kosten für die aufwendigen und besonders guten Farbabbildungen und der entsprechend hohen Herstellungskosten wurden nur 110 Exemplare erstellt, vom dritten Band sogar noch weniger. In deutschen Bibliotheken war das Werk nur an wenigen Standorten vorhanden. Bei den über die Fernleihe erhaltenen Exemplaren - Zugang nur zur Ansicht im Lesesaal mit Scanverbot - fehlten dann sogar Farbtafeln oder sie waren zum Teil stark beschädigt. Willi Hennebrüder gelang es, ein vollständiges Werk bei der Nationalbibliothek in Kopenhagen ausfindig zu machen. In Kooperation mit der Deutschen Gartenbaubibliothek in Berlin konnte die Digitalisierung in Kopenhagen umgesetzt werden und der BUND Lemgo erhielt eine erste DVD für die Bereitstellung in der Obstsortendatenbank. Ausgewertet wurden u.a. auch die 51 Bände der Pomologischen Monatshefte die von 1855 bis 1905 erschienen waren und das achtbändige Illustrierte Handbuch der Obstkunde mit 1624 beschriebenen Obstsorten. Eine weitere Besonderheit in der Obstsortendatenbank sind die Obstsortenfarbtafeln und Beschreibungen aus der österreichischen Zeitschrift `Nach der Arbeit`. Die 400 Sortentafeln wurden ehemals lose beigefügt und die Beschreibungen gab es dazu in der Zeitschrift selbst. Ein vollständiges Exemplar existierte nirgendwo. Über mehr als zehn Jahre wurden diverse kleine Sammlungen aufgekauft, so dass man am Ende sogar über zwei vollständige Exemplare verfügte. Ein Exemplar davon wurde der Deutschen Gartenbaubibliothek in Berlin verkauft, damit zumindest ein vollständiges Exemplar in einer Bibliothek vorhanden ist. Wegen des noch vorhandenen Copyrights wurden privat die Rechte erworben und so die Einstellung in die Obstsortendatenbank ermöglicht. Auch durch die Angaben in der Obstsortendatenbank konnten inzwischen eine ganze Reihe von verschollenen und besonders wertvollen alten Obstsorten wieder aufgefunden bzw. bestimmt werden. Ein Beispiel dafür ist die Apfelsorte Sertürners Renette, benannt nach dem Hamelner Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner, dem Entdecker des Morphins, der seine Erfahrungen zu Obstsorten in der Fachpresse veröffentlicht hatte. Ein Baum der Sertürner Renette wächst inzwischen auf der Streuobstwiese des BUND Lemgo.   

 

Die Farbtafeln der Obstsortendatenbank werden inzwischen deutschlandweit für Obstsortenlehrpfade genutzt. Mit Unterstützung des BUND Lemgo sind auf diese Weise über 30 Obstsortenlehrpfade entstanden. In Norddeutschland werden diese durch die BINGO-Umweltstiftung gefördert. 

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