Apfelsortenerhaltungsprojekt 2026

27. März 2026 | Lemgo, Lippe

BUND Lemgo unterstützt Kallertaler Obstbaumschule bei der Aufnahme sechs besonders wertvoller und sehr seltener Apfelsorten in das Sortenerhaltungsprojekt 2026.

Übergabe der Edelreiser durch Willi Hennebrüder (rechts) an Ralf Eikermann (Foto: BUND Lemgo).

Der BUND Lemgo arbeitet mit der Kallertaler Obstbaumschule Eikermann zusammen, die seit etlichen Jahren zum Erhalt regionaler und besonders wertvoller alter Obstsorten beiträgt. Ein klassischer Familienbetrieb, der inzwischen von Ralf Eikermann geführt wird und auf mehr als 100 Jahre zurückschauen kann. Auf ihren Internetseiten informiert die Baumschule über ihr Angebot.

In diesem Jahr werden sechs weitere besonders wertvolle und sehr seltene Apfelsorten mit in das Sortenerhaltungsprojekt aufgenommen. Die Edelreiser dazu hat Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo besorgt und Ralf Eikermann zur Veredelung übergeben. Es sind die Sorten Lippisches Tiefenblümchen, vor 1800 entstanden, ehemals in ganz Lippe verbreitet und von Konditoren hier insbesondere für Apfelkuchen hoch geschätzt. Der Deutsche Goldpepping, 1833 erstmals beschrieben, galt lange als verschollen, Wiederfund durch den Pomologen Anton Klaus aus Bayern, der auch die Edelreiser zugesandt hat. Der Himbeerapfel aus Holowaus, böhmischen Ursprungs, der vom Kaiser Franz Ferdinand von Österreich die Bewertung erhielt: „Feinster und bester Apfel der ganzen Monarchie“. Der echte und sehr seltene Purpurrote Wintercousinot, der bereits 1758 vom Pomologen Knoop beschrieben wurde und bis April haltbar ist. Die Edelreiser dazu lieferte ebenfalls Anton Klaus. Die Sertürners Renette, die vor 1840 entstanden ist und lange Zeit im Garten des berühmten Apothekers und Obstliebhabers Sertürner in Hameln stand. Erst 2006 gab es nach Initiative des BUND Lemgo einen Wiederfund. Einen einzigen Baum hatte die Ururenkelin des Apothekers durch Veredlung gerettet. Eine weitere Rarität ist die Gaesdoncker Renette. Als Napoleon 1802 das Kloster Gaesdonck bei Goch geschlossen hatte, hatte der dort ansässige Pfarrer Peter van de Loo, der eine eigene Baumschule unterhielt und wegen seiner Liebe zu Obstsorten „Appelepitt“ genannt wurde, dafür gesorgt, dass die besonders wertvolle Apfelsorte aus dem Klostergarten gerettet wurde. Der Pomologe Dr. August Friedrich Diel hat sie 1821 als erster beschrieben und nach ihrem Herkunftsort, dem Kloster Gaesdonck, benannt. Daraufhin hat sie sich in ganz Europa verbreitet. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es zunächst kein Projekt zum Erhalt alter Obstsorten mehr und so galt sie wie viele andere Sorten als verschollen. Durch Zufall hat der Pomologe Fritz Renner aus Bayern einen alten Baum in einer Obstwiese entdeckt und Edelreiser nach Lemgo gesandt. Zu vieren der Sorten liegen auch bereits Ergebnisse zu ihrem gesundheitsfördernden Polyphenolgehalt vor. Allesamt hoch bis sehr hoch und daher für Apfelallergiker meist verträglich. Ralf Eikermann freut sich, zum Erhalt dieser sehr seltenen Sorten durch Veredlung beizutragen und hofft, dass die Bäume schon im Herbst ausgeliefert werden können. Vorbestellungen sind ausdrücklich erwünscht, da die Anzahl zunächst auch begrenzt ist. Mehr Informationen zu den sechs Apfelsorten können per E-Mail bei der Baumschule Eikermann oder beim BUND Lemgo unter kontakt(at)bund-lemgo.de angefordert werden.

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