BUND Kreisgruppe Lippe

Beim „Krötensammeln“ 2021

12. Mai 2021 | Flüsse & Gewässer

Beim „Krötensammeln“ 2021 oder: Mensch und Kröte – ein kleiner Bericht.

Beim „Krötensammeln“ oder: Mensch und Kröte – ein kleiner Bericht.

Einsatzgebiet Soorenheider Straße: auf knapp 800 Metern, vom Ortseingang Waddenhausen/ Heerstraße bis zum Siekkrug haben meine Kollegin und ich die Amphibienschutzzäune von Ende März bis Anfang Mai betreut. Im Vergleich mit den Vorjahren haben wir im April ungefähr 30 % weniger Kröten & Co. gefunden, unter anderem weil es nachts zu kalt war. Vom Wetter hängt es ab, ob die Amphibien nachts wandern. Bei Schnee und Frost läuft nichts. Mindestens über 5 Grad sollte es sein und möglichst feucht.

Die Kontrolle der Eimer ist eine Überraschung. Mit Respekt schiebt man den Deckel zur Seite: wer oder was ist drin? Es kann auch mal eine Spitzmaus oder ein Maulwurf darin landen. „Beifang“ gibt´s ohnehin: Käfer, Spinnen, Würmer und Schnecken. Die Insassen, um die es uns geht, sind Kröten, Frösche und Molche. Vorsichtig nimmt man die Exemplare hoch und setzt sie in den Eimer zum Transport. Sie weichen kaum vor der Hand zurück. Über ihr Aussehen und ihre Art kann man ins Staunen geraten. Auge in Auge mit einer Kröte, einem Frosch oder Molch empfindet man Fremdheit. Zwischen der Kröte und mir ist keine Kommunikation möglich, fast als kämen wir von verschiedenen Planeten.

Frösche sind munterer, strecken sich auf dem Transport schon mal an der Eimer-Wand nach oben, wollen hinaus –da sieht man die Länge ihrer Hinterbeine.

Jenseits der Straße, am anderen Ufer, setzt man die Passagiere an einer Stelle ab, von der sie ihr Ziel leicht erreichen können. Dabei kann man sie noch einmal genau betrachten: Aha, drei „Finger“ an den Vorderfüßen hat dieser Teichfrosch.

Im direkten Kontakt mit den Amphibien, angesichts ihrer Verletzlichkeit, wird man zu ihrem Beschützer, „dass ihnen bloß nichts zustößt“.

Kröten sind beeindruckend, wirken archaisch, sind Tiere aus älterer Erdzeit. Behäbig und mit ihren Falten scheinen sie uralt. Doch können sie auch Tempo: nach dem Absetzen streben manche Weibchen eines „Doppeldeckers“ erstaunlich zügig, trotz des „Gepäcks“, - dem Männchen auf ihrem Rücken- , auf ihr Ziel zu, ins Wasser.

Unsere Lieblinge waren die Frösche, Stars der Amphibienzaun-Bühne am Straßenrand die Wasserfrösche: schlank und wohlgestaltet, leicht glänzend – rundum elegant. Es wundert nicht, dass Goldschmiede sie als Motiv verwenden.

Auch Teichfrösche sind hübsch; ihr Bestand ist an der Soorenheide stabil. Ein sehr kleiner (2,5 Zentimeter) hüpfte – eben ausgesetzt – das Ufer hinunter: durch Laub, harte Halme bis ins klare Wasser mit Wasserpflanzen und war sofort eins mit seinem (ersten) Element.

Molche gab es nur wenige. Zierlich und stumm - diskrete Sportler im Jumpsuit. Tricks haben sie drauf: stellen sich zum Schutz augenblicklich tot, so dass man erschrocken meint, sie durch die Berührung getötet zu haben – bis man ihre Taktik kennt.

Nimmt man mal die Perspektive der Amphibien ein, tritt die Gefährlichkeit des Straßenverkehrs in den Vordergrund.

Es macht Freude, morgens als Amphibienschutz-Helfer unterwegs zu sein. Am Rand der Soorenheider Straße gedeihen viele Pflanzen, zurzeit etwa Brennnesseln, Taubnesseln, Gundermann und Wegerich. So entdeckt man die Soorenheide als Lebensraum und bekommt eine Ahnung von der Komplexität eines Ökosystems. Am Rand des Mischwalds waren an einem Morgen so viele Weinbergschnecken unterwegs, dass man achten musste, nicht auf eine zu treten. Aufgrund des Einsatzes wächst der Respekt gegenüber der Natur im Ganzen und wächst das Pflichtbewusstsein, sie zu schützen.

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