Kreisgruppe Lippe

Forstlicher Eingriff bedroht Silberbachtal

03. Februar 2021 | Artenschutz, BUND Kreis Lippe, Horn-Bad Meinberg, Klimaschutz, Bäume, Wasser, Gewässerschutz, WRRL

Forstlicher Eingriff bedroht Silberbachtal

BUND: Auf Kahlschläge im Silberbachtal verzichten

Forstlicher Eingriff bedroht Natur-Kleinod im Naturpark

Noch wirbt der Naturpark in einem Flyer für Wanderungen im romantischen Silberbachtal. Das eindrucksvoll von der Natur gestaltete Kerbtal unterhalb des Velmerstot mit dem silbrig plätschernden Silberbach ist ein Natur-Kleinod. Doch damit ist es wohl bald vorbei. Das Forstamt des Landesverbandes Lippe hat angekündigt, in diesem engen, besonders reizvollen Tal über 2000 alte Fichten zu fällen. Dafür wurde das Tal jetzt abgesperrt.

Viele Naturschützer und Wanderfreunde in Lippe sind entsetzt. Der BUND Lippe fordert das Forstamt auf, den Eingriff zu überdenken. Ein solcher Kahlschlag, ausgeführt wie üblich mit schweren Forstmaschinen, wird das reizvolle Tal verwüsten, so der BUND. Die Auswirkungen solcher Eingriffe sind am Oberlauf schon zu sehen, wo das Regionalforstamt Hochstift schon im letzten Jahr am Osthang Fichten gefällt hat. „Baumfreie Hänge und zerstörte Wanderwege gerade in diesem, für Naturfreunde besonders attraktiven Bereich der Egge sind vermeidbar“, erklärt dazu Stephan Culemann, Sprecher der BUND-Kreisgruppe Lippe.

Der Landesverband begründet die Eingriffe mit den von abgestorbenen Bäumen ausgehenden Gefahren. Das ist aus Sicht des BUND vorgeschoben. Im Wald gebe es für den Waldbesitzer keine Verkehrssicherungspflicht für waldtypische Gefahren. Das habe der Bundesgerichtshof in einem rechtsgültigen Grundsatzurteil festgestellt (BGH-Urteil vom 02.10.2012 - VI ZR 311/11). Und das bestätigten auch die Experten des Landesbetriebes Wald und Holz in Münster. Und die Förster des Landesbetriebes stellen klar: „Waldtypischen Gefahren“ sind auch die mögliche Gefahren, die von lebenden und toten Bäumen ausgehen.

Am Wanderweg im Silberbachtal stehen überwiegend Fichten, die durch Borkenkäfer abgestorben sind. „Mehr Verkehrssicherheit lässt sich hier auch mit wenigen, naturschonenden Eingriffen bei Bäumen am Wegesrand herstellen. 2000 Bäume müssen dafür nicht gefällt werden“, so Stephan Culemann. Erfahrungen aus Naturwäldern würden zudem zeigen: Wo tote Fichten stehen bleiben, stehen sie oft noch Jahrzehnte. Im Nationalpark Kellerwald kann man durch solche abgestorbenen Waldbestände wandern. Hier wandern seit vielen Jahren Menschen und es ist noch nichts passiert.

Lässt man die toten Bäume im Wald, sind sie immer noch ein gewisser Schutz für den Silberbach und die Böden. Besonders an den Hängen abseits der Wege ist das problemlos möglich, und es hat viele Vorteile. Schäden des Waldbodens werden durch den Verzicht auf ein Befahren mit schweren Forstmaschinen vermieden. Das ist besonders an den Steilhängen im Silberbachtal wichtig. Bleibt Totholz im Wald, schützt es den Waldboden vor zu starker Austrocknung. Auch die Naturverjüngung, die sich hier im lichten Fichtenwald ausgebreitet hat, wird geschont. Zudem wird zur Biodiversität beigetragen. Von totem Holz im Wald leben viele Pilz- und Insektenarten. Insgesamt fördert das Belassen toter Bäume im Wald die Wiederbewaldung.

Aus diesen Gründen fordert der BUND das Forstamt auf, hier auf Fichtenkahlhiebe zu verzichten . „Es handelt sich um öffentlichen Wald, der vorrangig dem Gemeinwohl zu dienen hat“, erklärt Stephan Culemann. „Gerade in diesem hochsensiblem Naturbereich müssen besonders die Belange des Naturschutzes und der naturbezogene Erholung im Blickpunkt stehen“.

Lesetipp: „Wald, Forst und Borkenkäfer“, eine aktuelle Broschüre des BUND NRW zum Umgang mit abgestorbene Fichtenflächen

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