Verstehen sich auf Natur- und Umweltschutz in großem Stil: Willi Hennebrüder als Geehrter und Kerstin Ciesla, stellvertretende Landesvorsitzende, als Laudatorin. Foto: Julia Stratmann/ BUND NRW.
Kerstin Ciesla, die stellvertretende Landesvorsitzende, nahm die Würdigung vor. Wohl alle der 140 anwesenden Delegierten würden den Geehrten, wenn auch nicht persönlich, so doch sicherlich namentlich kennen, denn Willi Hennebrüder versorge die BUND-Mitstreiter im Land durch Newsletter regelmäßig mit „tollen Vorschlägen für Pressemitteilungen und Aktionen“, so eröffnete Kerstin Ciesla ihre Laudatio.
Die Zeit würde nicht ausreichen, um all die Aktivitäten und Projekte aufzuzeigen, die Willi Hennebrüder in seinen mehr als 40 Jahren Natur- und Umweltschutzarbeit geleistet habe. Die Bandbreite reiche von praktischer Arbeit zum Erhalt naturnaher Lebensräume, der Entwicklung praktischer Lösungen und Konzepte bis zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Doch einige Höhepunkte griff sie heraus. So wurde sein Projekt zum Bau von Zisternen zur Regenwassernutzung für Toilettenspülungen und Waschmaschinen 1988 und 1992 in den zwei NRW-Landeswettbewerben „Ökologisches Bauen“ und „Mehr Natur in die Stadt“ mit Hauptpreisen bedacht. Durch die Info-Kampagne des Bundes- und Landesarbeitskreis Wasser, in denen der Wasserexperte mitwirkte, und durch - teils von ihm privat erhobene - Rechtsklagen wurden in den 1990er und den 2000er- Jahren Grundsatzurteile erzielt, die zur Einführung der gesplitteten Abwassergebühr in Kommunen führten – womit ein finanzieller Anreiz zur Einsparung von Trinkwasser und zur Flächenentsiegelung entstand. Auch auf das Projekt „Verursacherprinzip bei der Müllentsorgung“, das auf die Mülltrennung und Eigenkompostierung zielte, ging Ciesla ein, wofür Willi Hennebrüder 1989 mit dem Europäischen Umweltpreis und 1992 mit dem Cusanus-Preis der Stadt Koblenz ausgezeichnet wurde. Laudator war hier damals der Bundesminister für Forschung und Technologie Dr. Heinz Riesenhuber.
Mit Lob bedachte Kerstin Ciesla schließlich das Apfelallergieprojekt des BUND Lemgo, das innerhalb 20 Jahren bundesweite Bedeutung erlangt hat. Zentral war hier eine Studie in Kooperation mit dem Allergiezentrum der Berliner Charité, mit der Folge, dass tausende von Apfelallergikern Linderung oder Heilung erfuhren und mit einem weiteren Argument für die Auffassung, dass es existenziell wichtig ist, die alten Apfelsorten und den Lebensraum Streuobstwiesen zu erhalten. Die auf der Homepage des BUND Lemgo verfügbaren Statistiken seien das Ergebnis langjähriger, sorgfältiger Arbeit. Durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit habe Willi Hennebrüder viel für die Wertschätzung alter Apfelsorten und die Beachtung des Themas Apfelallergie geleistet und dabei auch Filme mit TV-Sendern wie dem ZDF initiiert. Der Apfel-Experte sei etwa Träger des Oberdieckpreises des Deutschen Pomologenverbands und des Lippischen Nachhaltigkeitspreises. Beachtlich und exemplarisch für die Berücksichtigung auch sozialer Belange, sei seine Entwicklung von Apfelstiegen in Kooperation mit der Lebenshilfewerkstatt Begatal. Die Stiegen dienen zur Einlagerung von Äpfeln, sind preiswert und mit inzwischen mehr als 60.000 bundesweit verkauften Exemplaren ein Erfolg. Auch für die Verbandsentwicklung habe Willi Hennebrüder viel geleistet, wurde die Ortsgruppe Lemgo vom Bundesverband des BUND doch mehrfach für ihre Anwerbung neuer Mitglieder ausgezeichnet, weil diese die meisten eigengeworbenen Mitglieder bundesweit verzeichnen konnte. Auch insofern sei der BUND Lemgo ein Vorzeige-Verein.
Als Willi Hennebrüder nach vorne ging, um von der Laudatorin ein Geschenk entgegen zu nehmen, erhob sich im Saal lang anhaltender Applaus mit „Bravo“-Rufen. Sichtlich bewegt bedankte der Geehrte sich für das „große Lob“ und die „Vielzahl der in der Laudation aufgezeigten Aktivitäten“. Und erklärte: „Ich sehe mich in der Verantwortung, für zukünftige Generationen etwas zu tun. Das ist mein Hauptmotiv, der Motor, der mich antreibt.“ Und beschrieb den aktuellen Stand des Apfelallergieprojekts. Die Obstsorten-Datenbank mit 3.500 alten Sorten, auf der Internetseite des BUND Lemgo, habe 2025 bislang über 180.000 verschiedene Zugriffe registriert. Die Erkenntnisse des Apfelallergieprojekts könnten von jedermann allerorts genutzt werden. Der Austausch mit dem Allergiezentrum der Berliner Charité, insbesondere mit Prof. Bergmann, und mit dem Leiter der jüngsten Studie zur Apfeltherapie, Prof. Eisendle an Hochschulen und Kliniken in Italien und Österreich, bestehe fort. In letzterer Studie habe die Apfeltherapie sich als beste Therapie herausgestellt, also „weg mit den Tabletten, mit Spritzen zur Desensibilisierung, machen Sie eine Apfeltherapie – die ist erfolgreich bei Apfelallergie und Birkenpollenallergie, und sie hat keine Nebenwirkungen“, so Hennebrüder. Und so verweise auch Prof. Eisendle/ Bozen, seine Allergiepatienten stets auf die Homepage des BUND Lemgo. Die Mitstreiter aus OWL, darunter vom Vorstandsteam der BUND Kreisgruppe Lippe Stephan Culemann, Petra Kuhfus und Claudia Viotto, gratulierten ihrem BUND-Kollegen Willi Hennebrüder - einem „leuchtenden Vorbild eines Natur- und Umweltschützers“, wie sie sagten, herzlich zu der Ehrung.