Hornissen bewundernd: Fachberater für Wespenschutz Jürgen Badtke (2. v. rechts) mit Ferdinand Schmedding, Ingrid Schmedding und Petra Kuhfus (v. links) (Foto: Claudia Viotto).
Im Winter ist Ruhe im Karton, Pardon, im Hornissenkasten. Denn Hornissen sterben im Spätherbst und nur einige - im Durchschnitt 120 pro Nest - begattete Jungköniginnen überwintern derzeit. Die Überlebenden werden im April ein neues Nest bauen, Eier ablegen und ein neues Volk gründen. In Hohlräumen wie Baumhöhlen wird das Nest entstehen, aber - mangels ausreichender Baumhöhlen - auch in Vogelnistkästen und Rollladenkästen. Die eine oder andere menschliche Behausung wird somit besiedelt werden. Da ist es nützlich zu wissen, was in so einem Fall zu tun ist und was nicht.
Aufgrund einer Spende konnte der BUND Lippe 2025 einige Hornissen- und Hummelkästen anschaffen und dem Fachberater für Wespenschutz Jürgen Badtke für seine Arbeit zur Verfügung stellen. So konnten abgenutzte Kästen ausgetauscht werden. Im vergangenen September besuchten vier BUND-Mitglieder aus Lage Jürgen Badtke auf der Streuobstwiese des BUND Lemgo in Kirchheide, um sich die neuen Hornissenkästen anzuschauen und über seine Arbeit zu informieren.
Jürgen Badtke ist einer von 31 ehrenamtlichen zertifizierten Fachberatern und Fachberaterinnen für Wespenschutz, die im „Netzwerk Fachberatung Wespenschutz“ für die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Lippe im Einsatz sind. An sie können sich Bürger und Bürgerinnen wenden, um Hilfe bei Problemen mit Hornissen zu erhalten, z.B. im Umgang mit einem Hornissennest im Haus. Jürgen Badtke erklärte die Funktion der Hornissenkästen, welche gut auf die Bedürfnisse von Hornissen abgestimmt ist. Er erläuterte weiteres Werkzeug für eine Umsiedlung, z.B. eine Auffangbox, die in den Hornissenkasten passt, sowie eine Ansauganlage, mit der die Hornissen eingesaugt werden. Das Einsammeln der Hornissen aus dem umzusiedelnden Nest kann mehrere Stunden dauern. Entwischt ihm eine Hornisse und fliegt zum Jagen aus, muss er bis zu 30 Minuten auf die Rückkehr dieser Hornisse warten. So können Stunden vergehen, bis er alle eingesammelt hat.
Dabei betonte Jürgen Badtke, der auch Imker ist, die Verträglichkeit seiner Schützlinge: dass sie weder Süßes noch Grillfleisch anfliegen, sondern zum Füttern ihrer Larven Insekten jagen. „Auf dem `Speiseplan` stehen häufig die Deutsche- und die Gemeine Wespe sowie Bremsen. Menschen gegenüber verhalten sie sich meist friedlich, ähnlich wie Hummeln.“ Nur wenn man sich direkt vor dem Einflugloch bewege oder das Nest bzw. den Hohlraum in dem es sich befindet, Erschütterungen aussetze, gingen sie zur Verteidigung über. Und das sei verständlich, da ihr Nest ihr Haus ist, in dem sie mit ihrer Familie leben. Hauptsächlich unter einem Aspekt könnten Hornissen Probleme bereiten, nämlich dem, dass sie stark nagen und koten, wodurch z.B. Rollladenkästen, in denen sie nisten, beschädigt werden. Dem stehen allerdings viele Beispiele für das friedliche Zusammenleben mit Hornissen gegenüber: Beim Lemgoer Hanselauf etwa sei nichts passiert, obwohl 1.200 Personen nah an einem Hornissen-Nest vorbeigelaufen sind. Es gebe auch Nester in Dächern von Kitas, die keine Probleme bereiteten und deshalb dort gelassen würden.
Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo hat den Erwerb der Umsiedlungskästen bei der Firma Freund in Süddeutschland organisiert. Auf der Streuobstwiese, beweidet von Schafen der Bio-Schafbäuerin Karla Ebert, die sich den Gästen neugierig näherten und sich streicheln ließen, beobachteten die BUND-Mitglieder das geschäftige Ein- und Aus am Hornissenkasten.
Insgesamt bittet der BUND Bürger und Bürgerinnen, im Konfliktfall Hornissennester möglichst zu erhalten. Mehr Informationen hierzu gibt es auf der Homepage des BUND Lemgo:https://www.bund-lemgo.de/Hornissen_und_Wespen_schuetzen.html , wo auch eine Umsiedlung gezeigt wird.