Nächtliche Exkursion mit Lichtfangturm am 7. August

07. August 2026 | Artenschutz, BUND Kreis Lippe, Lage

Foto: Florian Winter

Überlebensstrategien der Nachtfalter

BUND lädt zu nächtlicher Exkursion mit Lichtfang ein

Am vergangenen Freitag lud der BUND zu einem nächtlichen Vortrag mit anschließender Exkursion ein und ging der Frage nach, wie es um die Falter der Nacht steht. Die Veranstaltung reiht sich ein in eine Serie von BUND-Angeboten rund um Insekten: Nach einer allgemeinen Betrachtung der Insektenwelt, der Gründung einer Schmetterlings-AG zur Beobachtung und Zählung von Tagfaltern sowie einem Vortrag über KI-gestütztes Nachtfaltermonitoring stand nun die Exkursion in die Nacht auf dem Programm. 

Doch warum macht sich eine Gruppe aus Erwachsenen und Kindern zu später Stunde auf den Weg? Motten könnte man doch auch zuhause beobachten – einfach Licht an und Fenster auf. Dass es weitaus mehr zu entdecken gibt, zeigte der Abend eindrucksvoll. 

Vivian Holzhauer, Leiterin der Biologischen Station Lippe, führte gemeinsam mit Michael Derra, Experte für Makro-Nachtfalter, durch den Abend. Zunächst gab es Wissenswertes in einem Kurzvortrag im Haus des Gastes, bevor es hinaus auf den Platz an der Wiesen-Hütte ging. An dem von Michael Derra aufgebauten Lichtfangturm landeten schnell Hunderte unterschiedlicher Fluginsekten. Bald wurden auch die erhofften Nachtfalter vom UV-Licht angezogen und konnten – mit Bestimmungsbuch, App oder Expertenwissen – gemeinsam bestimmt werden. 

Der Star des Abends ließ lange auf sich warten: Erst nach 23 Uhr kam das Rote Ordensband angeflattert und löste bei der Gruppe Begeisterung und Erstaunen aus. Mit einer Spannweite von 70 bis 80 Millimetern beeindruckte es zunächst durch seine Größe. Überraschend war zudem der Kontrast zwischen der unscheinbaren graubraunen Ruhestellung und dem Anblick der leuchtend roten Hinterflügel im Flug. Schnell wurde klar: Der Lichtturm kann weitaus mehr als ein einfaches Stubenlicht. Für seinen Aufbau ist sogar eine gesonderte Genehmigung erforderlich, da er die Falter kurzfristig in ihrem eigentlichen nächtlichen "Programm" stört.Vivian Holzhauer gelang es, die Gruppe von etwa 15 Teilnehmenden für die sonst im Verborgenen lebenden Schönheiten zu begeistern. Gespannt lauschten die Anwesenden den Erklärungen zur Unterscheidung von Makro- und Mikrofaltern, differenziert etwa in Spanner, Eulenfalter und Zahnspinner, sowie zur wichtigen Rolle der Nachtfalter in der Nahrungskette. 

Besonders spannend: die vielfältigen Schutzmechanismen der Falter vor ihren Fressfeinden. Viele sind perfekt getarnt – selbst wenn man theoretisch weiß, dass auf einem Foto ein Nachtfalter zu sehen ist, erkennt man oftmals nur eine Baumrinde oder ein Blatt. Andere Falter schrecken mit gemusterten Flügelschuppen ihre Feinde ab, indem sie große, starrende Augen imitieren. Wieder andere sind für Vögel oder Fledermäuse schlicht ungenießbar. 

Besonders bemerkenswert: Viele Nachtfalter besitzen ein Tympanalorgan – ein Hörorgan, mit dem sie die Ultraschallwellen jagender Fledermäuse wahrnehmen können. Ihre Reaktion darauf ist verblüffend: Sie lassen sich fallen oder tänzeln, um die Fledermaus zu verwirren. Tom, einer der jungen Teilnehmer, konnte dazu sogar ein kurzes Video auf seinem Handy zeigen – er hatte Fledermäuse gefilmt, die sich offenbar zuvor das Spektakel auf der Wiese von oben angeschaut hatten.

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