Totholz in der Naturwaldzelle Rosenberg in Bad Lippspringe in einer Aufnahme von April 2024 (Foto: Claudia Viotto)
Die Erweiterung der vorhandenen Wildnis-Entwicklungsgebiete im NRW-Staatswald in der Egge um 450 ha wird von der Bezirkskonferenz Natur OWL begrüßt. Der Zusammenschluß der OWL-Naturschützer sieht darin eine erhebliche Verbesserung der bisherigen Situation, da bislang vereinzelt liegenden Teilflächen innerhalb des Waldes nun als durchgehende Flächen aus der forstlichen Nutzung genommen werden. „Hier werden in Zukunft die Bäume ihr natürliches Alter erreichen können und natürliche Prozesse hoffentlich ungestört ablaufen können,“ betont Sprecher Karsten Otte. Solche Naturwälder dienen neben dem Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten auch der Forschung, der Umweltbildung und sind auch für Naherholung und Naturgenuß zugänglich.
„Dies kann aber nur ein erster Schritt sein, um für eine zukunftsfähige ökologische Infrastruktur vorzusorgen.“ fordert Karsten Otte. Weiterhin müsse es wenigstens eine 2. Tranche an Wildnisgebieten in NRW geben, denn das auch vom Land akzeptierte Ziel aus der Nationalen Biodiversitätsstrategie, 2% der Landesfläche aus der Nutzung zu nehmen, ist noch längst nicht umgesetzt. Derzeit hat das Land NRW davon nur ein Zehntel realisiert.
Berücksichtigt werden bei der Berechnung nur arrondierte Flächen von 1000 ha aufwärts: „Hier scheint NRW die Chance verpasst zu haben, seinen Verpflichtungen wenigstens etwas näher zu kommen, denn ein zusammenhängendes Gebiet von mindestens 1000 ha Größe hat man nach bisherigem Diskussionsstand in der Egge wohl leider nicht erreichen können.“ sagt Fritz Buhr von Pro Grün Paderborn. Diese Größe ist aber notwendig, um einen ungestörten Lebensraum auch für störungsempfindliche und spezialisierte Populationen zu schaffen und allen Waldentwicklungsphasen auf gleicher Fläche Raum zu geben. Die engagierten Naturfreunde in OWL machen keinen Hehl daraus, dass sie sich von der Wildnisinitiative des Landes mehr erhofft hatten „Wenn 5000 Hektar Naturwald-Wildnis in NRW auf 5 Regierungsbezirke zu je 1000 Hektar verteilt werden, hat OWL leider nicht einmal die Hälfte bekommen“, so Karsten Otte für die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL.
Erfreut sind die OWL-Naturschützer, dass jetzt auch bislang skeptische Lokalpolitiker aus dem Hochstift an der Weiterentwicklung der Wildnis-Entwicklungsgebiete Gefallen gefunden haben. „Solche positiven Kommentare lassen auf ein neues Verständnis, ein besseres Gesprächsklima und – wenn möglich – auf einen konstruktiven und sachlichen Dialog hoffen,“ wünscht sich Karsten Otte. Der ehrenamtliche Naturschutz würde es sehr begrüßen, wenn man in Zukunft gemeinsam am Ausbau unserer „ökologischen Infrastruktur“ in OWL arbeiten könnte.