Eisvogel an der Werre: Margarete Wißmann (Mitte, bzw. 7. von rechts) erläutert Vorkommen von Flora und Fauna an der Werre, u.a. des Eisvogels in einer Steilwand am Werreufer in der Nähe des Windrosensees (Fotos: Florian Winter).
Ab Marktplatz ging es am 15. August per Drahtesel los, vorneweg Margarete Wißmann, bis 2024 Leiterin des Fachteams Umweltplanung der Stadt Lage, an diesem Samstag Führerin der BUND-Radtour an Lagenser Baggerseen. 20 Kilometer legte die Gruppe zurück, meist an der Werre entlang. Besichtigt wurde eine Reihe von Baggerseen, genauer gesagt Auskiesungsseen, von denen mindestens noch einer aktuell zur Gewinnung von Sand und Kies bearbeitet wird. Die erste Station war der Blaume-See, kurz nach dem Ortsausgang Richtung Pottenhausen. Für ihn waren in den 70er und 80er Jahren als Folgenutzung, d.h. für die Zeit nach der Auskiesung, sogar ein Hotelkomplex und Freizeitpark im Gespräch gewesen, doch wurde er schließlich renaturiert.
Der Windrosensee ist in den 90er Jahren wegen des Baus des Klärwerks um ein Drittel verkleinert worden, so Wißmann. Kammmuscheln hätten sich hier trotz intensiver Bemühungen des Angelvereins leider nicht ansiedeln lassen. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind guter Laune; einige tragen Erinnerungen an Jugend-Erlebnisse an Lages Baggerseen bei. Der Anwohner Norbert Schulze ergänzt, dass der Windrosensee um 1970 im Interesse des Herkules Betonwerks 14 Meter tief ausgebaggert wurde und dass heute Karpfen, Schlei, Aal, Rotauge und Hecht darin leben. Der mit 13 Hektar größte See hier, der Werresieksee, von der Firma Schlegel ausgekiest, hatte in den 80er und 90er Jahren viele Badegäste aus der ganzen Region. Hier war gegrillt und übernachtet worden, bis es zu Ausschreitungen gekommen war und eine Hundertschaft anrücken musste. Zwei Mal fünf Jahre wurde der See gesperrt. Der vierte See ist nicht zu sehen, sondern privat abgeschottet. Nach einem Blick auf den See an der Soorenheider Straße, den ein Angelverein nutzt, fährt die Gruppe auf das Gelände des Kieswerks Siekkrug der Firma Schlegel. In den See „Siekkrug I“ ragt ein Saugbagger. Der letzte See in der Reihe wird noch nicht lange im Nordwesten von Waddenhausen an der Grenze zu Sylbach ausgebaggert. Nun machte die Gruppe noch einen Abstecher an die Bega, wo bis in die 90er Jahre trocken ausgekiest und abgegraben wurde und heute Erd-Deponien sind. Zwei Flächen gegenüber dem Hölsen-Kompostwerk werden besichtigt, eine teilverfüllte für den Natur- und Artenschutz und eine voll-verfüllte in landwirtschaftlicher Nutzung. Im unbebauten Gelände zwischen Hölsen und Lückhausen erläutert Wißmann die Nachteile invasiver Arten am Beispiel des üppigen Drüsen-Springkrauts, das immerhin Herbstnahrung für Bienen und Insekten sei. Letzte Station sind zwei Deponieflächen nahe bei Lückhausen, eine mit Aushub-Boden aufgefüllte, landwirtschaftlich genutzte und eine teil-aufgefüllte, auf der sich innerhalb zehn Jahren die Kanadische Goldrute massiv ausgebreitet hat. Über Hardissen führte die Tour gemütlich zurück und endete am Repair-Café Alte Schmiede, wo die BUND-Mitglieder Margarete Wißmann für die tolle Tour und Heimatkunde dankten und ihr als Präsent einen Bildband über den lippischen Maler Bruno Wittenstein überreichten.
Margarete Wißmann (7. von rechts) weist auf Besonderheiten der Flora und Fauna entlang der Werre hin, etwa auf das Quartier eines Eisvogels am Werreufer und empfahl zur Information auch den Gewässerlehrpfad der Realschule Lage.
Der See "Siekkrug I" der Firma Schlegel. Im Wasser ein Saugbagger, mit dem Sand und Kies aus der Erde gesaugt worden sind.