Tatkräftig in den Taubenhilfen ihrer Städte engagiert: Petra Kuhfus (v. l.), Marianne Rautenberg, Tamina Schulz, Jasmin Kreth, René Begemann und Max Töws (Fotos: Petra Kuhfus).
Wie lässt sich das Zusammenleben von Menschen und Tauben in der Stadt verbessern? Über diese Herausforderung wurde am Freitag, 31. Juli 2026, unter dem Titel „Tauben in unserer Stadt“ informiert und diskutiert, veranstaltet vom BUND Lage und dem Tierschutzverein „Unsere Hände für viele Pfoten e.V.“ in Kooperation mit der VHS Lippe-West. Dazu gab es im voll besetzten Studio-Saal des Technikums Bildvorträge von Vertretern und Vertreterinnen der Stadttaubenhilfe Detmold e.V. und der Stadttaubenhilfe Lemgo e.V. Zudem berichteten Petra Kuhfus (Vorstand BUND Lage) und Marianne Rautenberg als Initiatorinnen des sich seit einigen Monaten in Lage etablierenden Projekts „Taubenhaus Lage“ über ihre Erfahrungen. Sie alle befürworteten zur Lösung des allgemein bekannten „Tauben-Problems“ das sogenannte Augsburger Modell, das seit 1996 in über 60 Städten in Deutschland erfolgreich umgesetzt worden ist und praktizieren es auch selbst. Das Augsburger Stadttaubenkonzept bedeutet, Stadttauben in betreuten Taubenschlägen oder Taubenhäusern artgerecht zu füttern, wo sie auch Brutplätze haben, wobei ihre Gelege durch Eier-Attrappen ausgetauscht werden; hinzu kommt eine medizinische Versorgung.
Angesichts der bekannten Konflikte mit Stadttauben richteten die Referenten und Referentinnen den Blick einmal auf die Situation und das Leid der Tiere, bedingt durch mangelnde Nahrung, Krankheiten sowie Not und Verletzungen durch Verbrämungsmaßnahmen. Maximilian Töws von der Stadttaubenhilfe Lemgo e.V. erläuterte die Wichtigkeit gesunden Futters, wodurch der Kot trocken und unauffällig sei. Die Menge der Tauben in den Städten sei von Menschen verursacht, so Töws. Denn Felsentauben, die zur Fleischproduktion domestiziert wurden, sei die hohe Bruttätigkeit von bis zu zehn Mal pro Jahr angezüchtet worden. Dagegen brüteten Wildtauben nur zwei bis drei Mal pro Jahr. Genau deshalb seien wir Menschen auch für die Lösung der von uns verursachten Tauben-Probleme verantwortlich, meinte Jasmin Kreth von der Stadttaubenhilfe Detmold e.V. Dieses Team arbeitet noch ohne Taubenhaus, dafür mit sechs privat verorteten Pflegestellen. Seit März 2026 seien 75 Eier durch Attrappen in Nestern in Gassen und Parkhäusern ausgetauscht worden, wie Kreth und ihre Kollegin Tamina Schulz berichten.
Dagegen verfügt die Lemgoer Stadttaubenhilfe e.V. schon über ein Haupt-Taubenhaus und ein Pflegehaus für Tauben mit Handicap. Um das Image von Tauben zu verbessern, führt René Begemann häufig Gespräche mit Bürgern und Bürgerinnen in Lemgo: „Wo etwas mit Tauben ist, sind wir da und klären auf“, so Begemann. In Lage füttert seit ein paar Monaten ein Team von ca. zehn Personen Tauben hinter der Marktkirche an – „klappt super“, so Marianne Rautenberg vom “Projekt Taubenhaus”. Über den Bau eines Taubenhauses würden Gespräche mit der Stadt geführt. Geplant sei die Gründung eines Vereins. Allerdings brauche es eine bestimmte Anzahl an Aktiven, um das Füttern, Saubermachen und die gesundheitliche Pflege dauerhaft zu gewährleisten. Im Gespräch mit dem Publikum erläuterten die Tauben-Helfer und -Helferinnen zum Beispiel, wie sie die Eier austauschen, was Taubensport bedeutet und warum sie sich von Sporttauben-Züchten distanzieren. Oder wie sie zur Tauben-Pflegerin bzw. Tauben-Pfleger geworden sind: durch die zufällige Begegnung mit einer verletzten oder in Not geratenen Taube, der sie spontan zu helfen versuchten. Jasmin Kreth etwa brachte eine verletzte Taube zur Pflegestelle und wollte sofort selbst dort mitarbeiten. Zuletzt verteilte Marianne Rautenberg gemeinsam mit Petra Kuhfus, die den Abend moderierte, drei von der Tierhilfe Lippe gespendete Futtersäcke an die Stadttaubenhilfen Detmold und Lemgo. Das Publikum spendete viel Applaus, die Spendendose wurde voller als erwartet - das Geld wird in die medizinische Versorgung der Stadttauben fließen.
Mit ein paar Vorurteilen aufräumen: Max Töws referierte über die Biologie, das Verhalten und den historischen Hintergrund des Phänomens Stadttauben.
"Tauben haben ihren Charakter, was man erkennt, wenn man erstmal mit denen arbeitet": So Jasmin Kreth (links) mit Jasmina Schulz, beide vom Vorstand der Stadttaubenhilfe Detmold e.V.