Abgetaucht "Ghost Diving" am 25.06.26

25. Juni 2026 | BUND Kreis Lippe, Flüsse & Gewässer, Lage, Meere, Müll

Foto von Florian Winter

Ein bisschen Nord- und Ostsee in Lage

Taucher von Ghost Diving Germany berichten über ihren Kampf gegen Geisternetze

Das Meer kennen die meisten als Sehnsuchtsort: Schwimmen, Staunen, Sonnenuntergänge über der Wasseroberfläche. Einen ganz anderen Blick in die Tiefe ermöglichten Kai Wallach und Gerrit Klussmann beim jüngsten BUND-Vortragsabend in Lage. Mit eindrucksvollen Bildern und lebhaften Geschichten nahmen die beiden erfahrenen Taucher ihr Publikum mit unter die Meeresoberfläche.
Wallach, 1. Vorsitzender von Ghost Diving Germany e. V., und sein Tauchkollege Klussmann wollten ihrem Hobby „eine sinnvolle Komponente geben" – und gründeten vor rund fünf Jahren den Verein. Seitdem nutzen sie ihre jahrzehntelange Erfahrung, um herrenlose Fischereinetze, Leinen und Müll aus Nord- und Ostsee zu bergen.
Die sogenannten Geisternetze sind eine tödliche Gefahr für Meerestiere: Fische und andere Tiere verfangen sich in den Maschen und verenden qualvoll. Darüber hinaus zersetzen sich die Netze im Laufe der Zeit zu Mikroplastikpartikeln und verschmutzen so die Meere zusätzlich.
Dass ihre Arbeit etwas bewirkt, erlebten die Taucher einmal auf besonders berührende Weise: Per Zufall konnten sie filmen, wie sie einen noch lebenden Dorsch aus einem Netz befreiten – Schnell verschwand der Fisch direkt nach der Befreiung in der Dunkelheit des Meeres. „Das war eindrücklich, denn der überwiegende Teil der Tiere, die wir in den Netzen vorfinden, ist bereits tot. Doch jedes geborgene Netz bedeutet keine weiteren Toten", sagt Klussmann.
Die Einsätze sind aufwendig und anspruchsvoll. Vor den Tauchgängen orten die Taucher die versunkenen Netze mithilfe von Echolot. Bis zu einer Tiefe von 30 Metern sei das Meer „schon fast aufgeräumt", erklärt Wallach – darunter werde es schwieriger. Tiefere Tauchgänge erfordern spezielle Atemgasgemische, weshalb dort seltener nach Netzen gesucht werde.
Hinzu kommen Kälte, Dunkelheit und eingeschränkte Sicht durch aufgewirbelten Schlamm und Sand. Unter solchen Bedingungen muss die Kommunikation zwischen den Tauchern reibungslos funktionieren. Die Sicherheit des Teams hat dabei stets Vorrang. „Wenn nach einem Tauchgang alle wieder an Bord sind, kann ich erleichtert aufatmen", so Wallach.
Das geborgene Netzmaterial wird anschließend weitgehend recycelt – also in seine chemischen Bestandteile zerlegt – oder durch Upcycling in neuer Form weiterverwendet.
Die Bergungsaktionen verursachen jedoch erhebliche Kosten. Die Verursacher – die Fischereibetriebe – können nur selten dafür herangezogen werden. Der gemeinnützige Verein ist daher auf Spenden angewiesen. Alle Mitglieder bringen nicht nur ihre Freizeit ein, sondern auch ihre private Tauchausrüstung – die oft den Wert eines Kleinwagens erreicht.
Wenn die Wassertemperatur zu niedrig für Meerestaucheinsätze ist, verlagern die Vereinsmitglieder ihre Einsätze und ziehen in Hafenbecken allerlei Skurriles aus dem Wasser: Mofas, Waschbecken, Schreibtischstühle – achtlos entsorgt. Und immer wieder sind sie in Sachen Öffentlichkeitsarbeit unterwegs, um das Bewusstsein für den Lebensraum Meer zu schärfen – in Schulen und sogar in küstenfernen Städten wie Lage.

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