Zurück im Garten des Schloss Bückeburg: Apfelbaum Fürst Lippe, gehalten von Makhameh Fürstin zu Schaumburg-Lippe, daneben Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe, Willi Hennebrüder und Ulf Wüstenbecker (v. l., Foto: BUND Lemgo)
Die Lemgoer Ortsgruppe im Bund für Umwelt und Naturschutz betreut zwei Streuobstwiesen. Ziel ist es dabei auch, insbesondere regionale Sorten zu erhalten. Durch die Digitalisierung der monatlich von 1855 bis 1922 erschienenen Pomologischen Monatshefte war es erstmals möglich, umfangreiche Nachforschungen anzustellen. In der Ausgabe von 1872 hat der Pomologe Dr. Eduard Lucas als Erster die Apfelsorte Fürst Lippe beschrieben, allerdings nur mit der Angabe, dass ihm ein Pomologe aus Wien Äpfel zugesandt habe. Dazu der ergänzende Hinweis, dass er seine Notizen zur Herkunft der Sorte nicht mehr gefunden hätte. Bei weiteren Recherchen tauchte eine Beschreibung zur Sorte Fürst Lippe in Lauches Ergänzungsband zum Illustrierten Handbuch der Obstkunde auf, hier mit der Angabe, dass die Sorte aus der Umgegend von Wien stammen würde. Willi Hennebrüder vom BUND Lemgo hatte zunächst die Vermutung, dass dies eine Apfelsorte sei, die in Verbindung mit dem Detmolder Fürstenhaus stehen würde. Eine Anfrage dort ergab aber, dass man keinerlei Informationen zur Apfelsorte Fürst Lippe habe. Durch Zufall wurde dann in einer späteren Ausgabe der Pomologischen Monatshefte ein kleiner Bericht von Dr. Eduard Lucas zur wiedergefundenen Notiz entdeckt. Diese enthielt den Hinweis, dass die Sorte aus Veröcze in Slawonien (Kroatien) stamme. Weitere Recherchen ergaben, dass dort Georg Wilhelm Fürst zu Schaumburg-Lippe 1840 die am Fluss Drau liegende Herrschaft Veröcze erworben hatte. Im 19. Jahrhundert hatte der Obstbau noch einen hohen Stellenwert und viele Fürstenhäuser legten in ihren Lustgärten auch Obstbaumhöfe an und tauschten Sorten untereinander aus. Somit war klar, dass der Fürst selbst oder ein Gärtner des Hauses Edelreiser einer dort aufgefundenen Sorte mit nach Bückeburg gebracht und von dort weiterverbreitet haben musste. Dadurch erhielt sie auch den Namen Fürst Lippe. Der Apfel gehört zu den Winteräpfeln mit einer Haltbarkeit bis März, der Geschmack wird als ein wenig würzig mit etwas Süße beschrieben. In Verzeichnissen von Baumschulen taucht die Sorte nur bis 1893 auf.
Vor rund 20 Jahren begann Willi Hennebrüder nach der verschollenen Sorte zu suchen, um diese aus der Region stammende Sorte auch in der Lemgoer Streuobstwiese anzupflanzen. 2022 meldete dann der Pomologe Hans-Joachim Bannier aus Bielefeld, dass er an mehreren Standorten in der Region Apfelbäume mit einer ihm unbekannten Sorte gefunden und sie nach Veredlung in seiner Obstwiese angepflanzt habe. Nach einer Überprüfung der Äpfel anhand der genauen Beschreibungen der Sortenmerkmale in der alten Literatur war klar, dass es sich um die Apfelsorte Fürst Lippe handeln müsste. Ulf Wüstenbecker aus Bielefeld, der auf seinem Grundstück in Kalletal eine Streuobstwiese angelegt hat, hat daraufhin Edelreiser besorgt und mehrere Bäume veredelt. Seine Idee war es dann, Bäume dem Fürstenhaus in Bückeburg anzubieten, um die Sorte in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren zu lassen. Die Anfrage hat Willi Hennebrüder übernommen und der Leiter der Schlossverwaltung Alexander Perl war sofort begeistert von dem Angebot. Am Freitag, den 10. April war es dann soweit. Zwei Bäume Fürst Lippe wurden am Schloss in Bückeburg gepflanzt und zwar in unmittelbarer Nähe eines Kaiser Wilhelm Apfels. Seine Durchlaucht Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe und Makhameh Fürstin zu Schaumburg-Lippe haben es sich nicht nehmen lassen, bei der Pflanzung anwesend zu sein. Schlossverwalter Alexander Perl hat bei der Pflanzung tatkräftig mitgeholfen. Und schlug vor, Äpfel und auch nachgezogene Bäume des Fürst Lippe Apfels auch Gästen und Freunden des Fürstenhauses einmal anzubieten. Die Historie des Apfel Fürst Lippe ist auf der Homepage des BUND Lemgo dokumentiert: https://www.bund-lemgo.de/download/Historie_Fuerst_Lippe.pdf