Nach dem Scheitern von Nationalpark-Bürgerentscheiden fordert der BUND jetzt die Ausweisung weiterer Wildnisentwicklungsgebiete wie hier in der Egge (Foto: Claudia Viotto)
Paderborn, 1.9.2026 | Die Bezirkskonferenz Naturschutz OWL als Plattform des regionalen Naturschutzes begrüßt die Pläne der Landesregierung NRW außerordentlich, einen Teil des 5.000 ha-Wildnisprogramms auch im OWL-Staatsforst umzusetzen. Nach der Biodiversitäts-Strategie des Bundes hätte NRW bereits deutlich mehr Flächen aus der Nutzung nehmen müssen, denn von den vorgeschriebenen 2% der Landesfläche ist bislang nur 0,2 % , d.h. nur ein Zehntel, umgesetzt worden. „Deshalb kann dies nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung sein, es ist noch ein langer Weg zu gehen,“ meint dazu Sprecher Karsten Otte. Wildnisentwicklungsgebiete sind Teil des „Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz“ der Bundesregierung, das hier durch Maßnahmen der Landesregierung unterstützt wird.
Unverständnis für Proteste
„Wir brauchen mehr Gebiete, in denen Natur Natur sein kann, Bäume ihr natürliches Alter erreichen und einer Vielzahl von spezialisierten Lebewesen auch in ihrem Nachleben noch einen Lebensraum geben“, meint dazu Brigitte Scheuer, stellv. Sprecherin der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL. Zudem wird in solchen Wäldern viel mehr Kohlenstoff gespeichert als in Wirtschaftswäldern mit ihren kurzlebigen Nutzholzplantagen – eine Maßnahme gegen die Klimaerwärmung.
Unverständnis erregt aufgekommener Protest gegen die geplanten Wildnisentwicklungsflächen in Teilen der Egge. „Der Staatswald in der Egge ist das Eigentum des Landes NRW und damit seiner 18 Millionen Bürger und nicht der Spielball einiger Anwohner, einige davon möglicherweise auch mit wirtschaftlichen Eigeninteressen im öffentlichen Wald,“ so Karsten Otte. „Wo bleibt da der Respekt vor dem Eigentum?“
Über unseren Staatswald entscheidet das Land NRW
Die Landesregierung NRW setzt mit den neuen Wildnisentwicklungsgebieten keine neuen Naturschutzverfahren in Gang, sondern verändert lediglich im Rahmen ihres Eigentums den Hiebsatz auf einigen Teilflächen ihres Waldbesitzes auf Null, während im Großteil des Staatswaldes weiterhin Holz eingeschlagen wird. Das ist ihr gutes Recht als Waldbesitzerin treuhänderisch für uns alle, diese Flächen aus der Nutzung zu nehmen, und dient der Förderung von fast ausgestorbenen Waldökosystemen, der Wasserhaltefunktion des Waldes und dem Klimaschutz.
Bisher ohne sichtbares Ergebnis ist nach Auffassung der Bezirkskonferenz Naturschutz das kommunale Engagement für mehr Naturschutz im Wald verlaufen. Von dem vorgeschlagenen „Naturpark plus“ (in der Diskussion 2023/24 um den Nationalpark von Gegnern als Alternative vorgeschlagen, Anm. d. Red.) fehle bislang jegliche inhaltliche Ausgestaltung, trotz aller Kooperationsangebote des ehrenamtlichen Naturschutzes. „Um sich nicht dem Verdacht auszusetzen, hier eine Nebelkerze gezündet zu haben, sind die Kreise und Gemeinden aufgefordert, die Pläne der Landesregierung für neue Wildnisentwicklungsgebiete in der Egge ebenfalls zu unterstützen. Denn was passt besser in das Konzept eines „Naturpark plus“? “ ist sich Otte sicher.